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Projektbericht »Die Lausitz klingt«

Amateurmusik stärken für eine lebendige Kulturlandschaft

Wo Menschen aufeinandertreffen, um gemeinsam zu musizieren, entsteht eine Form der Gemeinschaft – überall. Deshalb leistet Amateurmusik einen wesentlichen Beitrag zum Sozialleben, auch und vor allem im ländlichen Raum. Besonders in einer Region im Wandel wie der Lausitz trägt das Musizieren in Chören oder Ensembles zur kulturellen Heimat bei. In der öffentlichen Wahrnehmung stehen Amateurmusikgruppen oft hinter professionellen Ensembles zurück. Für sie war und ist es während der Pandemie noch schwieriger, den Proben- und Konzertbetrieb aufrechtzuerhalten und weiter sichtbar zu bleiben.
Vor welchen Herausforderungen stehen die Ensembles aktuell und was brauchen sie, um diese zu meistern? Die Musikakademie Rheinsberg hat sich in Kooperation mit dem brandenburgischen Chorverband dieser Frage angenommen und ein mit Mitteln des Landes und des Bundes gefördertes Projekt zur Stärkung der Amateurmusik in der Lausitz durchgeführt. Als musikalisch lebendige Region im Strukturwandel bot sich die Lausitz als Forschungslandschaft an. Uwe Lockner hat als Projektmanager über ein Jahr hinweg an dem Thema gearbeitet.

Ziel des Projektes war eine qualifizierte Analyse des Ist-Zustandes der Ensemble-Landschaft sowie eine konkrete Unterstützung der Ensembles. Um ein möglichst authentisches Bild der aktuellen Situation zu gewinnen, bedurfte es eines unmittelbaren Kontaktes zu möglichst vielen Gruppen in der Region Lausitz: Auf dieser Basis wurden Möglichkeiten gesucht, die Gruppen bei der Vernetzung untereinander, der Präsentation nach außen sowie bei der Klärung verschiedener inhaltlicher und rechtlicher Fragen zu unterstützen. Projektleiter Uwe Lockner setzte im ersten Schritt auf persönliche Gespräche mit allen an der Amateurmusik Interessierten. Rund 80 Ensembles und Akteure waren daran beteiligt. Im Laufe dessen bestätigte sich die Annahme, dass sowohl die Zahl der Ensembles als auch die Mitgliederzahlen innerhalb der Ensembles rückläufig sind. Nachwuchsgewinnung ist ein großes Thema – und schwierig umzusetzen. Die mangelnde Sichtbarkeit nach außen und die durch den Strukturwandel befeuerte Abwanderung von möglichen Interessenten haben rückläufige Tendenzen verstärkt. Gleichwohl Interessierte zu erreichen, war daher einer der Kernpunkte des Projekts.

37 Ensembles wurden im Projekt mit einem ausführlichen quantitativen Fragebogen befragt – mehrheitlich Chöre; sie sind zu zwei Dritteln als gemeinnützig anerkannt und in Verbänden organisiert. Ihre finanzielle Situation ist, bedingt durch Mitgliedsbeiträge und kluges Wirtschaften, für den Normalbetrieb grundsätzlich ausreichend, wobei viele angaben, nur über dürftig eingerichtete Probenräume zu verfügen. Außerplanmäßige oder auch unerwartete Kosten wie Fahrten oder Anschaffungen wie Luftfilteranlagen überstiegen die Kapazitäten jedoch schnell und ließen sich auch mangels Fördervereine kaum stemmen.

Die Qualifikation und der Einsatz der Ensembleleitung ist entscheidend für die künstlerische Entwicklung der Ensembles, doch die strukturelle Abhängigkeit von Einzelpersonen – künstlerische Leiter*innen wie ehrenamtliche Vorstände – ist zugleich ein Risiko für die Amateurmusikszene. Zugleich bestätigte sich, dass die Ensembles durch ihre Beiträge auf Veranstaltungen sowie ihre eigenen Konzerte zum sozialen Gefüge insbesondere im ländlichen Raum beitragen. Das gemeinschaftliche Erleben des Musizierens stellt für eine Mehrheit der Mitglieder ein sinnstiftendes Element dar. Dennoch, gerade bedingt durch die strukturschwache Region, sind viele Ensembles von Sorgen geplagt, langfristig keine neuen Mitglieder oder Leitungspersonen finden zu können.

Ein Teilprojekt und die wohl wichtigste Errungenschaft stellte der Aufbau der Webseite www.lausitzklingt.de dar. Hierüber können Ensembles Termine für Proben und Konzerte kommunizieren und sich selbst mit ihren Schwerpunkten darstellen. Gleichzeitig fungiert sie als Datenbank, in der Ensembles sichtbar werden, untereinander und auch von potenziell Interessierten gefunden werden können
Außerdem wurden mehrere Fortbildungen angeboten. Diese beinhalteten vor allem Beiträge zu den Themen Finanzierung, Gemeinnützigkeitsrecht, Öffentlichkeitsarbeit sowie zum Stellen von Projektanträgen. Künstlerische Fortbildungsangebote trafen im Zeitraum hingegen auf weniger Resonanz. Zum Abschluss des Projekts lässt sich konstatieren, dass viele Ensembles solcher Unterstützung in organisatorischen Belangen bedurften. Viele zeigten sich offen und motiviert, sich im Rahmen des ehrenamtlichen Engagements weiterzuentwickeln, jedoch benötigen sie Rat und praktische Anleitung bei der Professionalisierung. Dies beinhaltete vor allem einen fundierten Umgang mit neuen Medien, um sich besser präsentieren zu können und nach außen hin sichtbarer zu werden. So besteht die Chance, attraktiver für Nachwuchs zu werden und der Überalterung sowie der damit verbundenen Gefahr einer Spielunfähigkeit der Ensembles entgegenzuwirken.
Das vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien aus dem Sofortprogramm des Bundes zum Strukturwandel in den Braunkohlerevieren geförderte Projekt ist durchaus repräsentativ und lässt sich auf andere ländliche Regionen übertragen.

Motiviert durch die Ergebnisse bietet die Musikakademie für ehrenamtliche Engagierte verstärkt Fortbildungen im organisatorischen Bereich an. Um dem offenkundigen Mangel an Ensembleleiter*innen entgegenzuwirken, kooperieren die Musikakademie und der Landesmusikrat Brandenburg bei der Weiterentwicklung und Durchführung der C1-/C2-Chorleiter-Ausbildung.

Die ausführliche Auswertung des Projektes können Sie hier einsehen.


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